Leben oder gelebt werden....

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Durch Versöhnung zum inneren Frieden gelangen.

Am Donnerstag war ich auf dem Vortrag von Walter Kohl „Leben oder gelebt werden“. Schon der Titel hat mich sehr angesprochen

und so war ich gespannt, was der „Sohn vom Kohl“ wohl so zu sagen hätte. Was ich erlebte, war ein lebendiges, sehr persönliches Gespräch – keinen Vortrag. Walter Kohl versteht es, wie wohl nur wenige bekannte Persönlichkeiten, sein Thema so persönlich und authentisch zu verpacken, dass man das Gefühl bekommt, man kenne ihn schon lange oder er sei so etwas wie ein langjähriger Freund. Die schonungslose Offenheit und Ehrlichkeit hat mich sehr beeindruckt. 

Der Kern seines Vortrags war die Versöhnung, über die man zum inneren Frieden gelange. Es geht um die Versöhnung mit den alten „Geschichten“, die einem wiederfahren sind und um die Versöhnung mit Menschen. Dabei kommt Walter Kohl immer wieder auf das Thema Verrat zu sprechen, ein Thema, das ihn persönlich auch sehr beschäftigt hat. In seinem Leben wurde er immer wieder verraten, insbesondere natürlich durch Medien, aber auch durch Freunde. Walter Kohl spricht auch über seine Familie: die eigene Scheidung, der Suizid der Mutter und der Vater, der bis heute kein Wort mit seinem Sohn spricht. Harter Tobak. Walter Kohl hat das alles hinter sich gelassen. Er hat sich mit seiner eigenen Geschichte ausgesöhnt. Und sie ins Gegenteil verkehrt, denn Schmerz ist pure Energie, die man auch verwandeln kann. 

Wie geht das genau? Walter Kohl gibt eine 5-Schritt Anleitung:

  1. Frage dich, was dein Anliegen ist. Hierbei gilt es ganz genau hinzusehen, worum es geht, z.B. ich möchte Eva-Maria verzeihen, dass sie mir in den Rücken gefallen ist.
  2. Alles muss auf den Tisch: Hier geht es um schonungslose Ehrlichkeit zu sich selbst.
  3. Den Energiewandel erleben: Wenn alles auf dem Tisch liegt, passiert unweigerlich ein Energiewandel. Scham wird zu Zorn wird zu Trauer wird zu .... Die Gefühle verändern sich.
  4. Meinen Friedensvertrag mit mir selbst schließen. Es geht nicht darum, dass sich alles klären lässt, aber ich kann einen EINSEITIGEN Frieden schließen, damit ich damit abschließen kann.
  5. Die neue Kraft im Fluss des Alltags nutzen.

Immer wieder fragte ich mich während des Vortrags: „Was hat das mit dir zu tun, Anja? Kannst du gut verzeihen? Hast du dich mit allem und allen versöhnt? Oder hegst du noch Groll gegen etwas oder irgendwen?“ Nein, nach kurzem Überlegen konnte ich für mich feststellen, dass ich mit allen Situationen und Menschen im Reinen bin. Ich bin niemandem böse und wenn es doch mal so ist, dann lasse ich nach einiger Zeit von allein los. Ich habe verstanden, dass es am allermeisten mir selbst schadet, wenn ich mich über etwas lange Zeit ärgere, wie z.B. über eine Freundin, die nicht Wort gehalten hat, oder über die Nachbarn, die nicht grüßen. Ich registriere das, vielleicht ärgere ich mich auch kurz, aber dann entscheide ich mich, es loszulassen und mich mit der Situation zu versöhnen. Sehr, sehr hilfreich. Und ja, dies ist sicher ein guter Weg, um inneren Frieden zu finden und zu leben. Nicht gelebt zu werden. Danke Walter Kohl für diesen sehr persönlichen und inspirierenden Vortrag. Es hat sich gelohnt.

Und wie es das bei Ihnen? Hadern Sie mit irgendwelchen Geschehnissen? Fragen Sie sich manchmal "warum ich?" Denken Sie häufig, dass ist nicht gerecht? Gibt es Menschen, mit denen Sie sich versöhnen sollten? Vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt dafür, sich auszusöhnen oder einseitig damit abzuschließen und den eigenen Frieden zu machen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei. 

15. November 2014